Paläontologie / Erdgeschichte
In der paläontologischen Abteilung werden die versteinerten Reste
von Tieren und Pflanzen (Fossilien) aus vergangenen Erdzeitaltern
präsentiert. Klarheit über die stammesgeschichtliche Entwicklung der
Lebewesen bis zu den heutigen Formen zu schaffen ist das Hauptziel
der Paläontologie (Erdgeschichte).
Die paläontologische Abteilung des Klagenfurter Bergbaumuseums zeigt
Fossilien aus aller Welt und ist nach Erdzeitaltern chronologisch
gegliedert.
Die Exkursion in die Entwicklungsgeschichte der Erde beginnt im
Präkambrium vor mehr als 4500 Millionen Jahren mit der Bildung des
Erdkörpers, der Atmosphäre, der Erdkruste und schließlich der ersten
Gebirge. Aus den Gesteinsvorkommen des Präkambriums ist im
Bergbaumuseum unter anderem ein wunderschöner Labradorit, ein
Ergussgestein aus der Gegend um Oslo, zu sehen. Von den ersten
Riffbildungen zeugen fossile Blaualgen, auch unter
Cyanobakterien
bekannt.
Auch das Paläozoikum (Erdaltertum) ist durch Funde aus der Geologie,
der Flora und der Fauna dokumentiert. Aus dieser erdzeitalterlichen
Epoche gezeigt werden Graptolithen, Trilobiten, Armfüßer, sowie
erste Würmer und Stachelhäuter (Kambrium), rote und schwarze Kalke
mit Kopffüßern, den sogenannten Orthoceren, schwarze Schiefer mit
Graptolithen, frühe Formen von Korallen, Schwämmen, Seeigeln,
Haarsternen und Muscheln (Ordovicium), die Kaledonische
Gebirgsbildung, erste Landpflanzen, die Nacktfarne, Brachiopoden,
Nautiloiden, Trilobiten, Graptolithen und Korallenkalke (Silur),
Sedimente der abgetragenen Gebirge, baumförmige Bärlapp-Gewächse,
Schachtelhalme und Farne, erste Panzerfische, Schmelzschupper,
Lungenfische, sowie Haie, Knochenfische und Quastenflosser, außerdem
die ersten Insekten, Spinnen und Tausendfüssler (Devon). Ein
Paradestück aus dem Devon ist die zoologische Sensation des Jahres
1938, der Quastenflosser Latimeria
chalumnae,
ein lebendes Fossil, das im Museum als Replik ausgestellt ist.
Das Paläozoikum ist auch das Zeitalter der variszischen
Gebirgsbildung mit Beispielen aus den Karnischen Alpen (Nötsch),
Farne, Schachtelhalme, Foraminiferen, Krebse, Spinnen, Ammoniten und
Nautiloiden, Haie und Panzerfische, Riesenlibellen mit einer
Flügelspannweite von 75 Zentimetern und ersten Übergangsformen zu
den Reptilien (Karbon).
Den Abschluss des Paläozoikums im Museum bilden Ergussgesteine (Quarzporphyr),
Salze, neue Pflanzenformen wie Zykadeen und Gingkogewächse,
Krebstiere, mehrere Insektenarten und Armfüßer, sowie die ersten
Urschuppensaurier (säugetierähnliche Reptilien) aus dem Perm.
Zusammenfassend gesagt war das Paläozoikum mit den Epochen Kambrium,
Ordovizium, Silur, Devon, Karbon und Perm und seinen insgesamt etwa
400 Millionen Jahren die Zeit der Entstehung von Pflanzen und Tieren
in den Weltmeeren mit Ausdehnung des Lebensraumes auf das Festland.
Das Mesozoikum (Erdmittelalter) war die Zeit der
Saurier und der Ammoniten. Die ersten Vögel und die ersten
Blütenpflanzen entwickelten sich. Durch geologische Veränderungen
entstanden in dieser Epoche viele heute abbauwürdige Metall- und
Brennstofflagerstätten.
Im Bergbaumuseum wird diese Zeit durch Exponate aus roten Schiefern
und Sandstein aus dem westlichen Drauzug in Kärnten, Osttirol und an
der Südseite des Dobratsch präsentiert. Nacktsamer, riffbildenden
Algen (z.B. Hallstätter Kalk) aber auch die ersten Krokodile,
Schildkröten und Wassersaurier sind Vertreter aus dieser Ära
(Trias). Eines der Prunkstücke des Museums ist ein Ammonit (ein
Vorfahre des heutigen Nautilus) mit ca. 260 kg und einem Durchmesser
von über einem Meter. Dieses Fossil stammt aus der Jura-Zeit, ebenso
wie versteinerte Fragmente des
Archaeopteryx.
Erste Laubgehölze, wie Pappel, Magnolie, Eiche, Ahorn, Buche,
Stechpalme, Efeu und Lorbeer dokumentieren ebenso wie fossile
Bruchstücke von Mammutbäumen die Flora der Kreide-Zeit. Als
Vertreter der Fauna sind im Museum ein Saurierschädel des berühmten
Tyrannosaurus rex (Replik in Originalgröße) sowie Sauriereier aus
China ausgestellt.
Durch den Rückzug der Meere im Känozoikum (Erdneuzeit) trat
eine bedeutende Vergrößerung der Landgebiete ein. Die damalige
Kontinentalgliederung entspricht ungefähr der heutigen Lage.
Klimatische und geologische Veränderungen beeinflussten die
Lebensbedingungen der Pflanzen und der Tierwelt. Säugetiere und
Blütenpflanzen entwickelten sich zum heutigen Stand. Mit seinen rund
60 Millionen Jahren ist die Erdneuzeit zwar die kürzeste Epoche der
gesamten Erdgeschichte, jedoch auf Grund der explosionsartigen
Entwicklung von Pflanzen und Lebewesen hinsichtlich Artenreichtum
die mit Abstand „produktivste“.
Im Museum sind Relikte aus Restmeeren wie Salze, Ablagerungen von
Kalken, Tonen, Konglomeraten und Sanden sowie Bernstein mit
prachtvollen Einschlüssen (Insekten und Pflanzen) vorhanden. Das
Görtschitztal, westlich entlang der Saualpe gelegen, ist Lieferant
vieler Versteinerungen aus der Tier- und Pflanzenwelt, die im Museum
übersichtlich aufbereitet dargestellt sind.
Die erdgeschichtliche Abteilung im Bergbaumuseum endet mit der
Präsentation des wohl dzt. bekanntesten Europäers, mit der
Gletscherleiche vom Hauslabjoch (Ötztaler Alpen), genannt auch Ötzi.
Gezeigt werden als hervorragende 1:1 Repliken die Leiche, die Waffen
und sämtliche Habseligkeiten, die der Mann aus der Jungsteinzeit,
also vor rund fünfeinhalbtausend Jahren, bei sich trug.
Der Aufbau der etwa 500 Millionen Jahre umfassenden
paläontologischen Abteilung im Bergbaumuseum erfolgt entsprechend
den Lehrbüchern der HS und AHS. Berücksichtigt wurde, dass Schülern
und Lehrern sämtliche im Unterricht Erwähnung findende Objekte
(Mineralien, Pflanzen, Tiere, Menschen) im Museum pädagogisch und
didaktisch gut aufbereitet zugänglich gemacht werden.