Mineralogie
Das Bergbaumuseum leitet seinen Bekanntheitsgrad nicht nur aus der
Tatsache ab, dass es über eine der umfassendsten Sammlung am
mineralogischen Sektor verfügt, sondern ist mit dieser Sammlung auch
als ein Ort der Kraft in aller Munde. Die Wirkung der Präsentation
der Mineralien in der geheimnisumwitterten Dunkelheit der Stollen
ist in der Tat beeindruckend.
Die Mineralogie beschäftigt sich mit der chemischen Zusammensetzung
und den physikalischen Eigenschaften der Minerale und Gesteine.
Wörtlich übersetzt bedeutet Mineralogie die Lehre von den Mineralen.
Minerale haben die wiederkehrende chemische Struktur eines Kristalls
und sind die Bausteine, aus denen Gesteine aufgebaut sind.
Bis auf wenige Ausnahmen sind im Bergbaumuseum ausschließlich
Mineralien aus Kärnten ausgestellt.
Einen besonderen Platz nehmen die Mineralien ein, für deren
urkundlich verbriefte weltweite Erstentdeckung Kärnten bürgt. Dazu
zählen: Hydrozinkit, Ilsemannit und Wulfenit (Blei- und Zinkbergbau
Bleiberg-Kreuth), Kahlerit und Löllingit (Eisenbergbau
Hüttenberg), Weinebeneit (Spodumen-Versuchsstollen, Brandrücken,
Koralpe), und Zoisit (Kupplerbrunn, Saualpe).
Ein weiterer Schwerpunkt ist eine „Alpine Zerrkluft“, die
hervorragend an das bestehende Grünschiefer-Gestein angepasst wurde.
Es ist der Nachbau einer Kluft vom Typ Auernig mit entsprechender
Mineralparagenese wie Periklin, Calcit, Bergkristall und Chlorit,
womit den Besuchern direkt am Objekt die Entstehung von
Kluftmineralien erklärt werden kann.
Von der sogenannten Schieferhülle der Hohen Tauern ist unter
anderem auch eine über 60 kg schwere Rauchquarzstufe vom
Goldzechkopf ausgestellt. Vor allem Bergkristallstufen sind in den
unwirtlichen Höhen den Unbilden des Wetters ausgesetzt und können
den Temperaturunterschieden oft nicht standhalten. Daher grenzt es
an ein Wunder, wenn aus engen mit Eis gefüllten Klüften völlig
intakte Kristallgebilde von Sammlern geborgen und so vor der
Zerstörung bewahrt werden können.
Nicht nur in Tropfsteinhöhlen, sondern auch in alten
Bergwerksstollen entstehen Aragonite (auch Eisenblüten genannt),
wobei speziell vom Hochobir ein großer Formenreichtum bestaunt
werden kann.
Als das herausragendstes Objekt gilt ein fast 200 kg schwerer
Rauchquarz-Einzelkristall. Er wurde 1981 am Schwarzkopf/Ankogelgruppe
gefunden, hat eine Höhe von 1 m und an der stärksten Stelle einen
Umfang von 1,5 m. Der Großteil des Kristalls besitzt schleifbare
Qualität. Das zweite Mineral, das durch seine Größe ins Auge sticht,
ist eine mit einem Meter Durchmesser recht beachtliche „Rhodonitplatte“
aus der Lölling, die 1993 angekauft wurde. Das Gemisch aus Rhodonit,
Rhodochrosit und Pyroxmangit erhält durch Manganoxide schwarze
Flecken und Maserungen.
Ein kleiner Querschnitt durch die Mineralogie im Kärntner Bergbau
Exemplarisch für die vielen Erzbergbaubetriebe Kärntens sind zwei
bedeutende hervorgehoben:
Blei und Zink
Neben zahlreichen Ausstellungsstücken der Blei-Zink-Mineralisation
des Drauzuges, von Burg/Pöllan im Drautal, von Radnig bei Hermagor,
von Förolach, Jauken, Kolm bei Dellach und Rubland nehmen die
Minerale aus dem seit 1993 geschlossenen Bergbau Bleiberg/Kreuth den
größten Raum ein. In den Vitrinen mit Bleiberger Mineralien sticht
vor allem die unterschiedliche Formen- und Farbenvielfalt von
Wulfenitkristallen hervor. Diese Wulfenite (Blei-Molybdat) wurden
nach Franz Xaver Wulfen, einem Jesuiten und Professor benannt, der
1785 eine Monographie über den „kärnthnerischen Bleyspate“
verfasste.
Von weiteren zur Schau gestellten Vorkommen aus Bleiberg wie
Anglesit, Barytkristalle, Calcit in vielen Formen (als Kanonenspat
oder als über 10 cm lange Calcitskalenoeder usw.), Cerussit,
Coelestin, Dolomit, Fluorit, Galenit (Bleiglanz) mit bis 3 cm
Kantenlänge, Gips, Hemimorphit, Hydrozinkit, Markasit, Pyrit und
Zinkblende, wird der „Bleiberger Muschelmarmor“ – Lumachelle, der
bereits 1793 von Franz Xaver Wulfen beschrieben wurde, als weitere
Besonderheit hervorgehoben.
Neben Hüttenberg gab es noch eine Reihe weiterer Eisenerzbergbaue
mit schöner mineralogischer Ausbeute, wie Waitschach mit büschelig
angeordneten Malachitkristallen und mit Bournonitkristallen in
beachtlicher Größe, Wölch, Loben mit Calcitvarietäten,
unterschiedlichsten Siderit- und Limonitkristallgebilden und einem
Pyrrhotinvorkommen mit bis zu 4 cm großen rosettenfömigen Aggregaten
und Theissenegg mit Kryptomelan.
Wunderschöne Sideritkristallstufen zieren die Vitrinen mit ca. 170
nachgewiesenen Mineralarten rund um den Bergbau Hüttenberg. Ergänzt
wird dieser Teil der Sammlung aus dem Reichtum von insgesamt 300
Mineralarten aus dem Gebiet der Sau- und Koralpe.
Je nach Schwerpunkt der gerade laufenden Ausstellung gewinnt der
Besucher Einblick in die Mineralogie des Eisenglimmerbergbaus in
Waldenstein, des Magnesitbergbaus und der Granatvorkommen auf der
Millstätter Alpe und dem Laufenberg, den Granatvarietäten aus ganz
Kärnten, den Zinnoberkristallen aus dem Bergbau im Buchholzgraben /
Feistritz an der Drau, vom Hohen Kohr (Turrach) und der Vellacher
Kotschna, die Fluoritvorkommen von Hermagor und vom Hocharn, in jene
des Silberbergbaus von Meiselding, in die Auripigment- und
Realgarvorkommen von Stein / Dellach und St. Stefan / Lavantal,
Jaspis und Karneol aus der Umgebung der Koschuta und natürlich auf
die ansehnlichen Goldvorkommen in den Hohen Tauern.